Antike Religion kämpft nicht mit Gewalt für ihre Götter, aber sie provoziert dazu, die Grenze zum Tabu des Tötens zu überschreiten. Mord im Heiligtum tritt in der Lebenswelt in Situationen extremer Konflikte auf. Im Mythos - von Achill und Troilos, Aias und Kassandra, Neoptolemos und Priamos - wird das Sakrileg zum Motiv eines ambivalenten Heldentums, das in seiner höchsten Steigerung die elementaren Verhaltensnormen gegenüber Alter und Jugend, Frauen und Verwandten verlässt. Transgression erscheint als konstitutiver Faktor heroischer 'Größe'.
Mythischer Mord in griechischen Heiligtümern
27.10.09 Prof. Dr. Tonio Hölscher
Prof. Dr. Tonio Hölscher
Studium der Klassischen Archäologie, Alten Geschichte und Klassischen Philologie an den Universitäten Heidelberg, Rom und Freiburg. Promotion 1965 in Heidelberg ("Victoria Romana. Archäologische Untersuchungen zur Geschichte und Wesensart der römischen Siegesgöttin"). Danach Wissenschaftlicher Assistent am Archäologischen Institut der Universität Heidelberg, Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts und Wissenschaftliche Oberassistenz am Archäologischen Institut der Universität Würzburg. Habilitation 1972 ebendort im Fach Klassische Archäologie. Ab 1975 Professor der Klassischen Archäologie an der Universität Heidelberg. Zahlreiche internationale Gastprofessuren, Mitgliedschaften und Auszeichnungen. Emeritierung 2009. Wissenschaftliche Schwerpunkte: Bildwerke im Kontext von Politik, sozialer Repräsentation und Mentalität, insbesondere in Bezug auf griechische und römische Staatsdenkmäler, Mythendarstellungen auf Vasen sowie die öffentlichen Räume in griechischen und römischen Städten; ferner: Heiligtümer, Instrumente und Rituale der religiösen Kulte sowie kulturtheoretische Grundlagen der Klassischen Archäologie. Jüngste Publikationen: u.a. (zus. mit Peter von Möllendorff:) "'Niemand wundere sich, sieht er dies Bild!' Bild und Text auf der Grabstele des Antipatros von Askalon" (2008); "Die griechische Kunst" (2007).