Religion - Gewalt - Versöhnung

Mythischer Mord in griechischen Heiligtümern

27.10.09 Prof. Dr. Tonio Hölscher

Antike Religion kämpft nicht mit Gewalt für ihre Götter, aber sie provoziert dazu, die Grenze zum Tabu des Tötens zu überschreiten. Mord im Heiligtum tritt in der Lebenswelt in Situationen extremer Konflikte auf. Im Mythos - von Achill und Troilos, Aias und Kassandra, Neoptolemos und Priamos - wird das Sakrileg zum Motiv eines ambivalenten Heldentums, das in seiner höchsten Steigerung die elementaren Verhaltensnormen gegenüber Alter und Jugend, Frauen und Verwandten verlässt. Transgression erscheint als konstitutiver Faktor heroischer 'Größe'.

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