Gewalt im Sinne der physischen Verletzung eines anderen Menschen, die schlimmstenfalls zu dessen Tod führen kann, scheint erst in jüngerer Zeit als einheitliches Phänomen betrachtet zu werden. In der griechischen Antike ist Gewalt offenbar nicht per se problematisch, sondern problematisch kann nur der Umgang mit Gewalt werden. Grundsätzlich ist sie ein naheliegendes, natürliches Mittel zum Durchsetzen und Erreichen eigener Ziele. Andererseits ist jedoch ihre Anwendung durchaus prekär, da sie einen Geisteszustand emotionaler Erregung voraussetzt, und wie jede andere emotionale Erregung die Tendenz hat, den Menschen seiner Souveränität und Selbstkontrolle zu berauben und in Wahnsinn umzuschlagen. Dem sich wandelnden Umgang der Griechen mit diesen gegensätzlichen Interessen wird in dem Vortrag nachgegangen werden.