Im Wörlitzer Gartenreich des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz errichtete der Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff 1795-1796 einen Bau, der die Architektur des berühmten Pantheons in Rom zitiert, ohne sie genau zu kopieren. Wegen der Bauplastik und der Innenausstattung hatte bereits ein Zeitgenosse vorgeschlagen, das zierliche Gebäude in seiner idyllischen landschaftlichen Umgebung einen „Musentempel“ zu nennen. Der Vortrag möchte zeigen, wie die Aspekte der neun Musen ein belehrendes klassizistisches Bildprogramm geprägt haben, das die Musen zusammen mit ihren göttlichen Geschwistern Athena und Apollon jede Hybris bestrafen lässt, die wahren Freunde der Natur und der Kunst dagegen ausdrücklich willkommen heißt.
Den Freunden der Natur und der Kunst.
Das Bildprogramm des Pantheons in der
Kulturlandschaft Dessau-Wörlitz
08.12.09 Prof. Dr. Hans-Ulrich Cain
Prof. Dr. Hans-Ulrich Cain
Promotion 1980 in München mit einer Arbeit über "Römische Marmorkandelaber", danach einjähriges Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts, dann 1983-85 Leitung der Fotothek des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom. 1985-91 Hochschul- und Oberassistent in Bonn. Habilitation 1991 mit Studien zu "Dionysos-Statuen spätklassischer und hellenistischer Zeit" an der Universität Bonn. 1992-97 Oberkonservator am Staatlichen Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke in München. Seit Mai 1997: Lehrstuhl für Klassische Archäologie an der Universität Leipzig, zugleich Direktor des Antikenmuseums. Forschungsschwerpunkte in der Ikonographie und Bildersprache der griechischen und römischen Skulptur, der Bedeutungsgeschichte von Denkmälergruppen und Bildkonzeptionen im kulturhistorischen Kontext, der Kulttopographie und Religionspolitik in antiken Stadtzentren sowie Nachwirkungen der Antike vom 17. bis 21. Jahrhundert. Jüngere Publikationen: "Kelten-Bilder in Rom - Inszenierte Demütigung und erlebte Siegermoral" (2007); (zusammen mit Michael Pfanner:) "Marmor in Rom - Verfall und die Aura der Originale" (2008); "Arbeiten in Gips. Zu einer schöpferischen Methode der Archäologie" (2009).