Religion - Gewalt - Versöhnung

Augustus und die Religion als
Überwindung des Bürgerkrieges

02.02.10 Prof. Dr. John Scheid

Die Zeit der Bürgerkriege des ersten Jh. v. Chr. war sicher einer der brutalsten Zeiten des alten Roms, und man kann sich fragen, wie es Oktavian-Augustus gelungen ist, diese immer wieder neu entbrennenden Konflikte zu beenden. Um einen Bürgerkrieg zu überwinden, braucht man nicht nur Macht und militärische Überlegenheit. Man muss vor allem die Mitbürger, das einfache Volk wie die politische Elite, überzeugen, dass der Sieger es ernst meint, und dass er fortan einen ruhigen Stand des Staates herbeiführen wird. Oktavian-Augustus entgegnete ihm entgegenschlagenden Zweifeln mit der Durchführung einer Reform des Staates, die angeblich den Zustand der Republik vor den Bürgerkriegen wiederherstellen sollte. Ziel war es dabei auch, die altrömische Frömmigkeit wieder herzustellen, aber obgleich man diese Reform im Ganzen auch als fundamentalistisch bezeichnen könnte, darf dies nicht im heutigen Sinne verstanden werden, denn sie bestand hauptsächlich in der Restauration alter Kulte, Priestertümer und Tempel, die viele hohen Würdenträger, auch frühere Gegner, miteinbezogen. Durch die konservative, religiöse Reform wollte Oktavian beweisen, wie ernst er es meinte, und dies hat anscheinend die Bevölkerung überzeugt. Fundamentalismus ist hier keine buchstäbliche Deutung des heiligen Wortes, sondern der Respekt der überlieferten Kultvorschriften, der soweit ging, als verschollen geltende Priestertümer neuzuerfinden. So beendete in Rom der Fundamentalismus eine Zeit der Gewalt.

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